Qualifizierte Arbeitszeugnisse nicht mehr zeitgemäß?
Veröffentlicht | 26. März 2010 | Keine Kommentare
Wer nimmt Arbeitszeugnisse heute eigentlich noch ernst, fragt sich Personalberater Frank Adensam in einem kürzlich erschienenen Beitrag? Ihm sei zumindest nach vielen Gesprächen mit Personalverantwortlichen klar, dass die mit hohem Aufwand erstellten Lobeshymnen oft gar nicht mehr gelesen würden. Offenbar interessiere lediglich die Tätigkeitsbeschreibung, um ein paar Aufhänger fürs Vorstellungsgespräch zu haben. Ok, auch die Schlussformel sei noch ausschlaggebend, weil sie im Gegensatz zum Rest des Zeugnisses nur bedingt einklagbar sei.
Und welchen Aussagewert besitzt wohl ein Arbeitszeugnis, das der Mitarbeiter selbst erstellt hat und dem Chef lediglich zum Unterschreiben vorgelegt wurde. Laut Adensam tagtägliche Praxis in Deutschlands Unternehmen. Darüber hinaus seien Arbeitszeugnisse in der jetzigen Form zu aufwändig und zu langwierig in ihrer Erstellung, dafür besitzen sie zu wenig Aussagekraft. Und vergessen solle man auch nicht die möglichen Missverständnisse, die dadurch entstehen können, dass zahlreiche Arbeitgeber der ”Zeugnissprache” nicht mächtig seien.
Das Fazit von Personalberater Frank Adensam:
Dies ist ein Plädoyer, das »qualifizierte Arbeitszeugnis« abzuschaffen und durch neutrale Tätigkeitsbeschreibungen ohne fachliche und persönliche Bewertung zu ersetzen. So würde die Abhängigkeit der ausscheidenden Mitarbeiter vom persönlichen Wohlwollen seines oder seiner Vorgesetzten reduziert und das technische Handling von Exit-Prozessen im beiderseitigen Interesse vereinfacht und beschleunigt. Außerdem würden die Kosten in der Personaladministration und in der Arbeitsgerichtsbarkeit gesenkt. Die Reduktion auf einfache Tätigkeitsbeschreibungen würde ein anachronistisches Konfliktfeld beseitigen, von dem man sich tatsächlich wundern muss, dass es im Zeitalter von Antidiskriminierung nicht schon längst verschwunden ist.
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