Gut zu Wissen

Zeugnisinhalt unter der Lupe
12
Nov

Zur vollen oder vollsten Zufriedenheit?

Die zusammenfassende Leistungsbewertung ist die zentrale Aussage eines Arbeitszeugnisses – die Gesamtnote. Geschulte Personalprofis können hier mit einem Blick feststellen, wie Ihre Leistung insgesamt beurteilt wurde. Grund genug, diese Position im Zeugnis genau unter die Lupe zu nehmen!

Die Note der zusammenfassenden Leistungsbeurteilung sollte in etwa der Durchschnittsnote aller zuvor abgehandelten Zeugnisschritte entsprechen. Achtung: Fehlt sie ganz, dann ist das ein deutliches Zeichen dafür, dass sie schlecht ausgefallen wäre. Viele Zeugnisempfänger achten daher nur darauf, dass die Formulierung im Zeugnis enthalten ist. Wie bei anderen Beurteilungskriterien kann sich jedoch auch hier die Notenstufe durch den Zusatz oder das Weglassen von Wörtern entscheidend verändern. Prüfen Sie daher Ihre Gesamtnote ganz genau.

  • Note sehr gut: Er erledigte seine Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit.
  • Note gut: Er erledigte seine Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit.
  • Note befriedigend: Er erledigte die ihm übertragenen Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit. (zeitlicher Aspekt fehlt!)
  • Note ausreichend: Er erledigte die ihm übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit.
  • Note mangelhaft: Er erledigte die ihm übertragenen Aufgaben im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit.

Achtung

Manche Arbeitgeber greifen noch auf einen anderen Trick zurück, um zukünftige Arbeitgeber zu warnen. Sie stufen den Mitarbeiter herunter, in dem sie hinter den Satz: „Er erledigte seine Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit.“ noch einen weiteren Satz hinzufügen: „Besonders hervorheben möchten wir seine umfassenden und detaillierten Projektberichte.“ Der Zusatz an dieser besonderen Position im Zeugnis heißt nichts anderes als: Achtung, hier bewirbt sich ein besonders pingeliger Mitarbeiter!.

0 Kommentar

  1. Hallo Claudia,

    ist es eigentlich wahr, dass man Anrecht auf ein „gutes Zeugnis“ hat? Du hast es ja bereits im Artikel über Zeugniswahrheit angeschnitten. Ich meine vor langer Zeit mal gelesen zu haben, dass man negative Bewertungen in einem Arbeitszeugnis nicht hinnehmen muss und es so lange umschreiben lassen kann, bis man damit zufrieden ist. Negativ ist ja nun z.B. alles ab befriedigend und abwärts, wenn man auch versucht, es so höflich wie möglich zu formulieren. Einerseits vielleicht eine gute Sache, um die Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen, andererseits verschleiert man damit ja das tatsächliche Verhalten des (Ex-)Mitarbeiters, was für den neuen Arbeitgeber sicher nicht förderlich ist. Kann man es also so lange umformulieren lassen, bis man damit zufrieden ist?

  2. Kai Nelius

    Hallo-
    neben dem sogenannten „Wohlwollensgrundsatz“ steht gleichberechtigt der „Wahrheitsgrundsatz“, dem sich der Zeugnisersteller verpflichtet fühlen muß bzw fühlen sollte. Damit trägt er gleichsam zu einer gewissen übergeordneten „Gerechtigkeit“ und letzlich der tatsächlichen Sinnhaftigkeit und Aussagekraft von Arbeitszeugnissen bei.
    I.d.R. wird dem in der Zeugnisformulierung z.B. durch (bewußtes) Auslassen von Bewertungen, die der professionelle Leser erwarten muß, oder durch die (Un-)Verhältnismäßigkeit von Bewertungen, im Hinblick auf die bewertete Tätigkeit und damit verbundenen Anforderungen/Schwerpunkten.
    Es gibt weitere Methoden, die ich hier aber bewußt nicht ausführe.
    Natürlich spricht die Praxis (insbesondere im Zusammenhang mit Aufhebungen und betriebsbedingten Kündigungen) häufig eine andere Sprache.
    Ein gutes oder sehr gutes Zeugnis hilft letztlich nur dem, der dieses durch seine tatsächlichen Eigenschaften, Fähigkeiten und Leistungen auch bestätigen kann.

  3. Claudia

    Vielen Dank Herr Nelius, dass Sie meiner Antwort bereits vorgegriffen haben. Natürlich haben Sie recht, wenn Sie auf den Wohlwollens- und Wahrheitsgrundsatz verweisen.
    Das Zeugnis darf den weiteren Berufsweg des Mitarbeiters nicht erschweren, dennoch müssen die Angaben der Wahrheit entsprechen. Die Folge ist meist eine regelrechte Gratwanderung.
    Generell ist es grundsätzlich Sache des Arbeitgebers, wie er das Zeugnis formuliert. Er kann frei entscheiden, welche Leistungen und Eigenschaften er hervorheben oder zurücktreten lassen möchte. Sind Sie als Mitarbeiter mit dem Zeugnis nicht zufrieden, sollten Sie grundsätzlich erst einmal mit dem Zeugnisaussteller sprechen. Führt dies zu keinem Erfolg, bleibt Ihnen nur noch die Klage vor dem Arbeitsgericht.

Schreiben Sie einen Kommentar