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13
Jan
2023

Sind Arbeitszeugnisse noch zeitgemäß?

Arbeitszeugnis noch zeitgemäß

Sind Arbeitszeugnisse noch zeitgemäß? Tatsächlich lese ich diesen Satz gerade öfter in den Medien. Man kann darüber trefflich streiten. Gerne werfe ich hier meine 2 ct in den Ring.

Beginnen wir mit der Frage: „Was heißt eigentlich zeitgemäß? Duden bietet folgende Synonyme an: aktuell, angesagt, modern, en vogue, auf der Höhe der Zeit, hip. Also angesagt oder hip ist das Thema Arbeitszeugnisse schon mal nicht. Das entnehme ich den irritierten Blicken, wenn ich erzähle, dass ich Arbeitszeugnisse schreibe und prüfe. Auf der Höhe der Zeit? Nun ja – das bringt uns zu der Frage:

Was soll ein Arbeitszeugnis eigentlich bringen?

Ein qualifiziertes Arbeitszeugnis gibt Auskunft über die Aufgaben, Erfahrungen, Kenntnisse. Es verifiziert den Lebenslauf und drückt im Idealfall Wertschätzung für den Mitarbeiter aus. Die Realität sieht leider meistens anders aus. Und das liegt tatsächlich nicht an der Zeugnissprache, zumindest nicht in erster Linie. Ich finde in den Arbeitszeugnissen meiner Mandanten häufig andere Kritikpunkte.  

Mit Zeugnis-Bausteinen keine angemessene Beurteilung möglich

Wenn ich ein Zeugnis analysiere, sehe ich oft auf den ersten Blick: Ah, die haben den Zeugnis-Manager xyz verwendet. Immer wieder die gleichen unsäglichen Formulierungen. Ich nenne mal ein paar Beispiele, die so in jedem zweiten Arbeitszeugnis stehen:

  • „Er agierte immer, ruhig, überlegt, zielorientiert und in höchstem Maße präzise.“ (Mal ehrlich, in welchen Jobs geht es denn wirklich um Präzision?)
  • „Dabei überzeugte er stets in besonderer Weise sowohl in qualitativer als auch in quantitativer Hinsicht.“  (Aussage gleich Null)
  • „Er zeigte fortwährend hohe Eigeninitiative und identifizierte sich vortrefflich mit seinen Aufgaben und unserem Unternehmen, wobei er auch durch seine vorbildliche Einsatzfreude überzeugte.“ (Rein sprachlich schon fragwürdig).

Das Schlimmste: Die meisten Formulierungen haben vor allem nichts mit dem Job zu tun, den der Mitarbeiter ausgeübt hat. Häufig hat jemand, der den Mitarbeiter und seine Aufgaben nicht kennt, einfach ein paar Bausteine in einem Generator zusammengeklickt. Nichts gegen die Verwendung einer Zeugnis-Software, sie macht das Erstellen eines Arbeitszeugnisses definitiv einfacher. Aber: Man kann das Wort präzise durchaus gegen das Wort sorgfältig/zuverlässig austauschen. Man kann spezifische Erfolge benennen. Oder man wählt konkrete Beispiele für die Eigeninitiative.  Ein Arbeitszeugnis ist nur dann aussagekräftig – und damit zeitgemäß -, wenn es die zu beurteilende Person in ihrem Job widerspiegelt.


Achtung

Jedes Unternehmen legt heute Wert auf gute Produktrezensionen/Testimonials. Jetzt kann man als Kunde schreiben: tolle Qualität, sehr stabil, verständliche Anleitung, einfache Bedienbarkeit … Oder eben: rot und tut, was es soll. Und genau so verhält es sich auch mit Arbeitszeugnissen.

Wenn Unternehmen heute bemängeln, dass Arbeitszeugnisse keinen Wert mehr haben, tragen sie meiner Meinung nach einen Großteil der Verantwortung für diese Entwicklung. Wer nimmt sich denn heute noch die Zeit und drückt im Zeugnis wirklich die Wertschätzung aus, die der Mitarbeiter verdient?

Die Beurteilung ist immer subjektiv

In der Diskussion, ob Arbeitszeugnisse noch zeitgemäß sind, kommt immer wieder ein Argument: Ein Arbeitgeber darf doch gar nichts Schlechtes im Arbeitszeugnis schreiben. Ja, das ist richtig. Der Arbeitgeber darf das berufliche Fortkommen seines Arbeitnehmers nicht behindern und muss daher ein wohlwollendes Zeugnis ausstellen. Und soll ich Ihnen etwas sagen: Das ist in den meisten Fällen ganz richtig so. Der Arbeitgeber ist einfach in der stärkeren Position und kann die Karriere eines Mitarbeiters gefährden. Vielleicht kann der Vorgesetzte den Mitarbeiter nicht leiden oder hatte Streit mit ihm? Vielleicht hat er bei der Zeugnisausstellung aber auch nur einen schlechten Tag? Auf der anderen Seite war der Arbeitnehmer vielleicht nicht der Hellste oder hat nur Dienst nach Vorschrift gemacht? Auch hier gibt es Mittel und Wege, versteckte Hinweise im Arbeitszeugnis zu platzieren, zum Beispiel durch Weglassen bestimmter Eigenschaften oder Beurteilungskriterien.

Wenn Sie versteckte Hinweise oder eine schlechte Beurteilung vermuten, lassen Sie Ihr Arbeitszeugnis am besten analysieren. Spezialisierte Fachanwälte für Arbeitsrecht, wie zum Beispiel die Kanzlei für Arbeitsrecht in Düsseldorf, überprüfen zudem, welche Möglichkeiten es gibt, juristisch dagegen vorzugehen. Das gilt im Übrigen auch bei einer Kündigung, bei Mobbing oder anderen Problemen am Arbeitsplatz.

Machen andere Leistungsnachweise mehr Sinn?

Im internationalen Vergleich betrachtet, wird nur in Deutschland Wert auf ein Arbeitszeugnis gelegt. In anderen Ländern bevorzugt man Referenzen und Empfehlungsschreiben. Auch in Deutschland wird mittlerweile der Ruf nach Referenzschreiben lauter. An alle Befürworter der Referenz: Meinen Sie wirklich, ein aussagekräftiges Referenzschreiben lässt sich einfacher formulieren als ein gutes Arbeitszeugnis? Abgesehen davon: Es gibt einen rechtlichen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis – bei Referenzschreiben ist dies nicht der Fall. Der Arbeitgeber ist also – anders als beim Arbeitszeugnis nicht verpflichtet, Ihnen eine Empfehlung oder Referenz auszustellen. Stellt er ein Empfehlungsschreiben aus, darf man das auf jeden Fall als besondere Wertschätzung werten.

Dann haben wir noch soziale Netzwerke wie z.B. LinkedIn, wo Sie Ihre Erfahrungen und Erfolge dokumentieren können. Kollegen, Kunden und Vorgesetzte können diese dann bestätigen. Der Ansatz des Portals geht in die richtige Richtung. Aber: Als Leser weiß man natürlich nie, wie gut Ihre Erfahrung wirklich ist und ob der Bestätigende dies auch wirklich beurteilen kann. Zudem würde ich mich bei der Dokumentation meiner Expertise nie allein auf eine soziale Plattform verlassen.

Bestehen Sie weiter auf ein Arbeitszeugnis

Wenn Sie ein Unternehmen verlassen, haben Sie ein Recht auf ein qualifiziertes Arbeitszeugnis. Nutzen Sie dieses – ob zeitgemäß oder nicht. Achten Sie besonders darauf, dass das Arbeitszeugnis Sie und Ihre Aufgaben widerspiegelt: Womit kennen Sie sich besonders gut aus? Warum waren Sie wertvoll für das Unternehmen? Wie haben Sie das Unternehmen, einen Bereich oder ein Projekt vorangebracht? Was macht Sie als Mitarbeiter aus?


Und wie können wir Sie unterstützen?

Sie wollen wissen, ob Ihr Arbeitszeugnis wirklich wohlwollend formuliert wurde? Bei unserer Zeugnisanalyse nehmen wir jeden Satz genau unter die Lupe. Unter anderem prüfen wir Form, Inhalt und mögliche Widersprüche. Vertrauen Sie auf unseren juristischen Sachverstand und unser sprachliches Fingerspitzengefühl.

Hier erfahren Sie mehr über unseren Zeugnis-Check