Gut zu Wissen

Zeugnisinhalt unter der Lupe
12
Feb
2018

Muss die Elternzeit im Arbeitszeugnis erwähnt werden?

Darf der Arbeitgeber die Elternzeit im Arbeitszeugnis erwähnen? Es kommt darauf an, wie wir Juristen immer sagen. Nämlich auf die Dauer der Auszeit im Verhältnis zur Beschäftigungsdauer. 

Grundsätzlich darf der Arbeitgeber kurze Unterbrechungen des Arbeitsverhältnisses, zum Beispiel Krankheit, Urlaub und Fortbildung nicht im Arbeitszeugnis erwähnen. Die Situation ist jedoch eine andere, wenn die Auszeit von längerer Dauer war, wie zum Beispiel beim Wehr- und Bundesfreiwilligendienst oder eben bei der Elternzeit.

Faustregel: Mehr als die Hälfte der Beschäftigungsdauer

Wo die Grenze zwischen wesentlichen und unwesentlichen Ausfallzeiten liegt, lässt sich nicht eindeutig festlegen. Im Einzelfall muss man sicherlich neben der Dauer der Auszeit auch die zeitliche Lage berücksichtigen. Als Faustregel können Sie sich merken: Unterbrechungen sind wohl dann zu erwähnen, wenn sie etwa die Hälfte des Beschäftigungszeit ausmachen. Liegt die Elternzeit hingegen mehrere Jahre zurück und hat damit keine Bedeutung mehr in der Gesamtschau, sollte sie im Arbeitszeugnis unerwähnt bleiben.

In diesem Zusammenhang erklärte das Bundesarbeitsgericht, dass künftige Arbeitgeber vor allem im Arbeitszeugnis erfahren wollen, wie die Leistung des Arbeitnehmers in der jüngsten Vergangenheit war (BAG, Urteil vom 10.05.2005, Az.: 9 AZR 261/04). Der Leser darf zudem nicht den Eindruck gewinnen, der Arbeitnehmer habe die ganze Zeit ohne Unterbrechung gearbeitet und dadurch mehr Berufserfahrung erworben, als es tatsächlich der Fall war.

33 Monate Elternzeit, 50 Monate Beschäftigungsdauer

In dem Fall war ein Mitarbeiter von Mai 1998 bis Ende Juni 2002 als Koch angestellt gewesen – also 50 Monate. In dieser Zeit hatte er 33,5 Monate Elternzeit in Anspruch genommen. Dies war eine erhebliche Ausfallzeit, sagt das Bundesarbeitsgericht. Da der Arbeitnehmer zu über 80 Prozent nicht gearbeitet habe, sei eine aktuelle Beurteilung nur sehr eingeschränkt möglich gewesen. Und dies habe der Arbeitgeber mit dem Hinweis auf die Elternzeit deutlich machen dürfen.

Diesen Beitrag teilen