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Zeugnisinhalt unter der Lupe
6
Feb
2020

Wann ist die Schlussformel im Arbeitszeugnis vollständig?

Schlussformel im Arbeitszeugnis: Ende gut,alles gut!

Eine vollständige Schlussformel im Arbeitszeugnis beginnt mit dem Grund für das Ausscheiden des Mitarbeiters. Im Idealfall folgen Bedauern, Dank und gute Wünsche. 

Der letzte Absatz im Arbeitszeugnis beginnt üblicherweise mit dem Datum und dem Grund für das Ausscheiden. Meist werden hier betriebsbedingte Gründe, wie etwa Wegfall des Arbeitsplatzes aufgrund einer Umstrukturierung oder auf „Wunsch des Mitarbeiters“ stehen. In letzterem Fall darf gerne noch erwähnt werden, dass dieser sich neuen beruflichen Herausforderungen stellen will.

Herr Müller scheidet auf eigenen Wunsch aus unserem Unternehmen aus, um sich neuen beruflichen Herausforderungen zu stellen / sich beruflich zu verändern.

Endet das Arbeitsverhältnis aus verhaltensbedingten Gründen, lässt man die Gründe in der Regel weg. Hier kommt unter anderem der Grundsatz des Wohlwollen zum Tragen. Die berufliche Weiterentwicklung darf nicht ungerechtfertigt erschwert werden.

Das Arbeitsverhältnis endet zum….

Dann soll es ja noch Situationen geben, in denen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer tatsächlich einig darüber sind, dass das Arbeitsverhältnis enden soll, zum Beispiel wenn der Arbeitnehmer bereits einen neuen Job in Aussicht hat und früher aus dem Vertrag ausscheiden möchte (Aufhebungsvertrag). Dies kann man tatsächlich auch so darstellen, ohne dass es einen negativen Beigeschmack hat.

Das Arbeitsverhältnis endet zum… in bestem gegenseitigen Einvernehmen.


Achtung

Fehlt das Wort „besten“, lässt das hingegen Rückschlüsse darüber zu, dass dem Mitarbeiter nahe gelegt wurde zu gehen oder dass man sich im Streit getrennt hat.

Schlussformel im Arbeitszeugnis: Bedauern, Dank und gute Wünsche

Darüber hinaus sollte der Schlussabsatz die sog. Schlussformel enthalten. Eine vollständige Schlussformel besteht aus Dank für die Mitarbeit oder gute Leistung, Bedauern über das Ausscheiden sowie gute Wünsche für die Zukunft.


Achtung

Als Arbeitnehmer haben Sie kein Recht auf eine vollständige Schlussformel im Arbeitszeugnis. Das zumindest sagen die Richter des Bundesarbeitsgerichts (BAG, Urteil vom 11.12.2012, Az.: 9 AZR 227/11). Ihre Argumentation: Auch wenn es in der Praxis üblich ist, dem Arbeitnehmer im Arbeitszeugnis für seine Arbeit zu danken, so kann man dennoch keinen rechtlichen Anspruch  auf eine Dankesformel ableiten. Es fehlt an einer gesetzlichen Grundlage. Für die Richter steht fest: Aussagen über persönliche Empfindungen des Arbeitgebers gehören nicht zum notwendigen Zeugnisinhalt.

Details zum Urteil finden Sie hier: Schlussformel: Kein Recht auf Dank, Bedauern, gute Wünsche (#Urteil)

Das Urteil des Bundesarbeitsgerichts ist insofern nachvollziehbar, dass Bedauern, Dank und gute Wünsche tatsächlich Emotionen beschreiben. Ich drücke meine Wertschätzung für einen Arbeitnehmer aus, indem ich ihm für seine sehr guten Leistungen, seine Verdienste und/oder die angenehme Zusammenarbeit danke. Noch viel stärker ist die Empfindung, wenn ein Arbeitgeber bedauert, dass ein Mitarbeiter das Unternehmen verlässt. Aber auch gute Wünsche für die Zukunft drücken eine Wertschätzung für eine Person aus. Fehlt eine vollständige Schlussformel, kann man sich schon fragen, ob sich der Arbeitgeber von einem an sich gutem Arbeitszeugnis distanziert.

Wir bedauern ihr Ausscheiden außerordentlich und bedanken uns für die stets sehr gute Zusammenarbeit. Für ihren weiteren Berufs- und Lebensweg wünschen wir Frau Meier alles Gute und weiterhin viel Erfolg.

Achtung: Ist eine Schlussformel vorhanden, lohnt es sich in der Regel besonders hinzuschauen, da hier einige Rückschlüsse versteckt sein könnten.

  • Wir wünschen ihm auf seinem weiteren Weg viel Erfolg. (bei uns hatte er keinen – das Wort „weiterhin“ fehlt)
  • Wir wünschen ihr für die Zukunft alles Gute, besonders Gesundheit. (gesundheitliche Probleme)
  • Herr Müller verlässt uns zum 31.12., unsere besten Wünsche begleiten ihn. (ironische Spielerei entwertet das Zeugnis)
  • Wir wünschen ihr für ihre weitere Entwicklung in einem anderen Unternehmen alles Gute. (Wir sind sie endlich los).

Und wie können wir Sie unterstützen?

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