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Selbstständige Arbeitsweise im Arbeitszeugnis
17
Jan

Selbstständige Arbeitsweise im Arbeitszeugnis (#Urteil)

Können Sie verlangen, dass eine selbstständige Arbeitsweise im Arbeitszeugnis erwähnt wird? Das Landesarbeitsgericht (LAG) Düsseldorf sagt nein. Die Richter sehen in diesem Fall keinen allgemeinen Zeugnisbrauch  (LAG Düsseldorf, Urteil vom 29.11.2017, Az.: 12 Sa 936/16). Entscheidend ist jedoch, was im Arbeitsumfeld üblich ist. 

Geklagt hatte eine ehemalige Assistentin einer internationalen Anwaltssozietät. Dort hatte sie für einen Partner Sekretariatsaufgaben übernommen und das Team bei organisatorischen und administrativen Aufgaben unterstützt. Das Arbeitszeugnis bestätigte ihr eine stets sehr sorgfältige und zügige Arbeitsweise. Die Assistentin war jedoch der Meinung, eine selbstständige Arbeitsweise im Arbeitszeugnis sei allgemeiner Zeugnisbrauch in der Branche und müsse ergänzt werden.

Selbstständige Arbeitsweise muss im Beruf üblich sein

Die Assistentin hatte vor dem LAG Düsseldorf keinen Erfolg. Sie kann nicht verlangen, dass ihr eine selbstständige Arbeitsweise im Arbeitszeugnis bestätigt wird. Dies sei in Rechtsanwaltskanzleien mit internationaler Ausrichtung nicht üblich und stelle daher keinen allgemeinen Zeugnisbrauch dar. Dies hatte eine Umfrage bei einigen Anwaltskammern ergeben. Von einem Zeugnisbrauch spricht man nur dann, wenn dieses Merkmal in dem Berufskreis üblich ist. Ist dieses Merkmal hingegen im Job sehr wichtig und fehlt im Arbeitszeugnis, kann man dies als erkennbaren und negativen Hinweis werten. Der juristische Fachausdruck hierfür ist „Beredtes Schweigen“.

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Verhalten gegenüber Vorgesetzten muss ergänzt werden

Neben der Ergänzung der selbstständigen Arbeitsweise im Arbeitszeugnis, verlangte die Assistentin auch die Bestätigung, dass ihr Verhalten gegenüber dem direkten Vorgesetzten jederzeit einwandfrei gewesen sei. In Ihrem Zeugnis stand jedoch nur der Satz: „Ihr Verhalten gegenüber den Rechtsanwälten, Kollegen und Mandanten war zu jeder Zeit einwandfrei. Nun könnte man argumentieren, dass der vorgesetzte Partner auch Rechtsanwalt sei. Die Richter erklärten jedoch, dass die Eigenschaft des vorgesetzten Partners im Zeugnis besonders herausgestellt wurde. Wird nun das Verhalten gegenüber diesem Partner nicht beurteilt, kann leicht der Eindruck entstehen, dass dieses negativ war. Da der Assistentin grundsätzlich eine sehr gute Zusammenarbeit bescheinigt wurde, sei nicht ersichtlich, warum dies gegenüber dem Partner anders gewesen sein sollte.  Die Kanzlei musste daher das Verhalten gegenüber dem Vorgesetzten noch ergänzen.

Quelle: LAG Düsseldorf PM Nr. 2/18 vom 15.1.2018

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