Gut zu Wissen

Achtung Zwischenzeugnis
21
Jan
2018

Was ist beim Zwischenzeugnis anders?

Zeitformen im Zwischenzeugnis

Das Zwischenzeugnis ist im Wesentlichen wie ein herkömmliches Arbeitszeugnis aufgebaut und doch gelten hier einige Besonderheiten, zum Beispiel bei Zeitform und Überschrift. Dies liegt ganz einfach daran, dass das Zwischenzeugnis während eines bestehenden Arbeitsverhältnisses ausgestellt wird. 

Die Überschrift beim Zwischenzeugnis

Ganz klar, bereits die Überschrift muss beim Zwischenzeugnis anders lauten als bei einem Endzeugnis. Schließlich will man ja dokumentieren, dass das Arbeitsverhältnis fortbesteht, zumindest noch für eine Weile. Dies kann man natürlich mit einer deutlichen Überschrift besonders gut zeigen. Das Wort Zwischenzeugnis wird das Erste sein, was dem Leser ins Auge sticht.

Vorläufiges Arbeitszeugnis

Aber welche Überschrift wählt man für ein Zeugnis, wenn der Mitarbeiter bereits die Kündigung erhalten hat und aufgrund einer längeren Kündigungsfrist noch einige Zeit dem Unternehmen angehören wird – freigestellt oder nicht.

Unser Tipp!

Bitten Sie den Vorgesetzten in diesem Fall um ein Zwischenzeugnis, sobald Sie die Kündigung erhalten haben. In der Regel wird man es auch gerne ausstellen, wenn man Ihnen in der Zukunft keine Steine in den Weg legen will.

Auch solche Zeugnisse tragen die Überschrift „Zwischenzeugnis“. Daneben wird in der Praxis auch die Überschrift „Vorläufiges Arbeitszeugnis“ verwendet. Auch das ist möglich und geht zurück auf § 35 Abs. 3 TVöD. Danach hat ein Beschäftigter im Öffentlichen Dienst einen Anspruch auf unverzügliche Ausstellung eines vorläufigen Zeugnisses hat, wenn ein TVöD-Arbeitsverhältnis gekündigt wird.

Welche Zeitform verwendet man beim Zwischenzeugnis?

Neben der Überschrift ist die Zeitform einer der wesentlichen Unterschiede zum Endzeugnis. Hauptsächlich findet man im Zwischenzeugnis Formulierungen im Präsens, in der Gegenwartsform (Er ist …, Sie arbeitet …, Er erledigt…,usw.).

Die Zeitform betrifft neben dem Einleitungssatz auch die einzelnen Leistungskriterien, die die zusammenfassende Leistungsbeurteilung sowie die Bewertung des Sozialverhaltens.

  • Frau Müller ist seit dem 1. Februar 2010 in unserem Unternehmen tätig.
  • Herr Rothe zeigt stets ein hohes Maß an Eigeninitiative und Engagement.

In meinem Zwischenzeugnis wird an einigen Stellen die Vergangenheitsform verwendet, ist das nicht falsch? Ich dachte, es muss alles in im Präsens dargestellt sein.“ Diese Frage hören wir nicht selten. Die Antwort darauf ist einfach. Auch im Zwischenzeugnis kann die Vergangenheitsform verwendet werden.

Achtung

„Um es konkreter zu fassen: Nicht nur das Präteritum, auch die Zeitform Perfekt kann verwendet werden – die sogenannte „vollendete Gegenwart“. Mit dem Perfekt drücken Sie für gewöhnlich aus, dass eine Handlung in der Vergangenheit abgeschlossen wurde. Man verwendet das Perfekt vor allem dann, wenn das Ergebnis oder die Folge der Handlung im Vordergrund steht. Und genauso wird dies auch im Zwischenzeugnis gehandhabt: Das Perfekt wird verwendet, wenn eine Aufgabe oder ein besonderes Projekt abgeschlossen wurde und man  auf den Erfolg hinweisen will.

Ein Beispiel gefällig? „Ihre professionelle Arbeitsweise und ihre sehr hohe Leistungsbereitschaft stellt Frau Meier regelmäßig in Sonderprojekten unter Beweis. So hat sie im vergangenen Jahr unter anderem eine Online-Strategie entwickelt und diese mit ihrem Team sehr erfolgreich umgesetzt .“

Der Ausstellungsgrund im Zwischenzeugnis

Weitere Unterschiede finden Sie in der Schlussformel: Anstelle des Beendigungsgrundes sollte der Leser hier erfahren, warum das Zwischenzeugnis ausgestellt wird:

  • Dieses Zwischenzeugnis wird Frau Wiesner aufgrund eines Vorgesetztenwechsels ausgestellt.
  • Frau Sommer bat um dieses Zwischenzeugnis, da sie in Kürze ihre Elternzeit antreten wird.

Wird das Zwischenzeugnis ausgestellt, weil der Mitarbeiter aus dem Unternehmen ausscheidet, kann man verschiedene Wege gehen. Zum einen besteht natürlich immer die Option „Man sagt, wie es ist“: “

  • Dieses Zwischenzeugnis wird auf Wunsch von Herrn Meier ausgestellt, da das Arbeitsverhältnis  aus betriebsbedingten Gründen zum … endet“.

Dieses Vorgehen ist relativ häufig. Viele Arbeitnehmer haben jedoch das Gefühl, es sei besser, sich aus einem bestehenden Arbeitsverhältnis heraus zu bewerben. In diesem Fall wird im Zwischenzeugnis das vorläufige Ende verschwiegen. Diesen Weg bevorzugen oftmals langjährige Mitarbeiter, die aufgrund ihrer Kündigungsfrist noch längere Zeit im Unternehmen bleiben.

In vielen Fällen ist die Kündigung bis zum endgültigen Ausscheiden auch mit einem neuen Vorgesetzten verbunden. Das macht es natürlich einfacher:

  • „Das Zwischenzeugnis wird aufgrund eines Vorgesetztenwechsels ausgestellt.“

Unser Tipp!

Welchen Weg man gehen will, sollte man sich letztlich gut überlegen – sofern man überhaupt Einfluss nehmen kann. Eine betriebsbedingte Kündigung ist heute auch kein Makel, betrachtet man die heutige Personalpolitik in vielen Unternehmen. Im Vorstellungsgespräch wird man sich unter Umständen leichter tun, wenn man nichts vortäuschen muss. Aber wie gesagt, es kommt immer auf den Einzelfall an.

Und wie können wir Sie unterstützen?

Auch ein Zwischenzeugnis sollte die formalen und inhaltlichen Anforderungen an ein Arbeitszeugnis erfüllen. Lassen Sie es besser überprüfen, wenn Sie Zweifel haben, zum Beispiel mit unserem Zeugnis-Check.

Auf Wunsch überarbeiten wir auch gerne Ihr Zwischenzeugnis. Wenn Sie Ihr Zwischenzeugnis selbst schreiben dürfen und sind sich nicht sicher: Wir erstellen Ihr Zwischenzeugnis nach Ihren Vorgaben.

Bildquelle: bluedesign/Fotolia

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